Dies zumindest dürfen alle übermedialisierten Menschen in UK hoffen, die nicht an der unwichtigsten Umfrage eines Immobilienportals partizipierten und im Gegensatz zu den Teilnehmer/innen Lust auf eine Nachbarschaftsparty bei Pete, Amy und/oder Katie haben. Denn die sind als die unbeliebtesten Nachbarn auf Platz 1-3 gewählt worden… Bleibt die Frage warum das Immobilienportal diese spannende Umfrage hat durchführen lassen?
Hypothese 1: Man hat zu wenig Traffic auf der Webseite und will dass der Server wenigstens einmal aufgrund der vielen Anfragen zusammenbricht?
Hypothese 2: Man wollte damit ganz geschickt hinten herum herausfinden, für wie viel man Häuser neben den nicht so beliebten Stars verhöckern kann? (Lage, Lage, Lage)
Hypothese 3: Man wollte schon immer mal zusammen mit den wichtigsten medialen Agenda-Stars Großbritanniens in einem Atemzug genannt werden?
Und diese Hypothesen könnten nun wiederum zu einer weiteren absolut unwichtigen Umfrage führen…
In den Fokus aller deutschen Parteien rücken seit einiger Zeit wieder verstärkt christlich/religiöse Werte, die in dafür eigens gegründeten Arbeitskreisen verhandelt werden. Ein Radiobeitrag auf Deutschlandfunk beschäftigt sich mit dieser Entwicklung.
Wenn heute politisch gewählte Vertreter wie Roland Koch aus Hessen, über Vorschläge von Sanktionen und Strafe bei Hartz IV fabulieren, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass das lebensfeindliche viktorianische Zeitalter die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme sein könnte. Denn wer nicht spurt wird bestraft und geächtet. Wer nicht im Sinne Kochs und des Jobcenters handelt, der wird noch des letzten Restes seiner menschlichen Würde beraubt, denn eines scheint Herr Koch ganz vergessen zu haben – die Idee des „Wohlfahrtsstaates“. Eines der Grundprinzipien der Bundesrepublik Deutschland, der Menschen mal die Möglichkeit erlaubte in sozialversicherungspflichtigen Jobs in die Staatskasse einzuzahlen, um schließlich und endlich im Falle eines Jobverlustes Unterstützung zu erhalten. Doch das hat Herr Koch lange vergessen. Denn seine politische Realität schafft ja fast nur noch “bad jobs”, von denen niemand mehr leben, geschweige denn Steuern zahlen kann! Und so passt die Idee von Sloterdijk vor einigen Tagen eigentlich ganz gut rein, dass Menschen nur noch freiwillig Steuern zahlen sollten. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass der Staat aller seiner Aufgaben komplett enthoben werden muss. Das wäre zumindest besser für einige Hartz-IV-Empfänger/innen, denn alle könnten „endlich“ in jedweder Form legal arbeiten und müssten keine Sanktionen fürchten, da es Illegalität nicht mehr gäbe. Zwar bekäme niemand mehr Leistungen, doch immerhin müssten sie nicht mehr mit der Angst leben, dass Koch und Co jede Woche neuen Dreck über ihren Köpfen auskippen, um zu verschleiern, dass all ihr politisches Handeln in den letzten 20 Jahren zu einer Aufgabe der sozialen Marktwirtschaft faktisch geführt hat. Denn statt radikal konservativ wie Sloterdijk, den Bruch mit dem Gedanken des „Wohlfahrtsstaates“ zu proklamieren, wird immer weiter und weiter sanktioniert. Denn Oberaufseher und Chefsanktionierer Koch fürchtet den Kontrollverlust über sein Heer der „arbeitsunwilligen Schmarotzer“ und den Verlust seines medialen Dauerfeindbildes. Dass Politik einmal so banal und fast schon ekelerregend sein würde, damit hätte wohl kaum jemand vor einigen Jahren beim Studium der Demokratietheorie gerechnet. Zwar diagnostizierte Benjamin Barber in seinem exzellenten Buch „Starke Demokratie“ schon in den 1980er Jahren eine Krise der liberalen Demokratie. Doch solche menschenverachtenden Auswüchse waren damals kaum denkbar. Stattdessen wurde tatsächlich noch gedacht und die Ungeheuer – Maschinen, Computer, Bürokratien, Konzerne und Verfassungen – für die liberale Demokratiekrise als ursächlich angesehen. „Ihre Monstrosität liegt weniger in ihrer Eigensinnigkeit, als vielmehr darin, dass sie sich vom Willen und von Zwecksetzungen überhaupt losgelöst haben.“ (vgl. dazu Barber 1994: 11).