Ein Notebook für (Nicht-)Kaffeetrinker?

By mediadefaultswap

Mein derzeitiger Toshiba-Laptop ist nach fast 4 Jahren an seine Altersgrenze gestoßen. Hinzu kommen in letzter Zeit unzählige virale Angriffe, die seinem Restleben zusätzlich den Gar ausmachen. BlueScreen Fehler und andere Fehlermeldungen säumten in den letzten Wochen zudem sein bis dato wirklich Viren- und Defektfreies Leben, was wohl auch daran liegen könnte, dass mittlerweile eine Vielzahl von CMS-Systemen mit dreckigen Codes versehen werden und vormals sichere Seiten meinen Rechner nun mit Virenangriffen stetig lahm legen wollen. Grund sich schon vor dem totalen Systemausfall nach einem neuen Gerät umzuschauen und eine Linux-Migration endlich ernsthaft in Erwägung zu ziehen! Nach verwirrenden Webrecherchen zum Thema: Laptop-Test trat ich also den Weg in die „marktführenden“ Institutionen an… Was mich dort jedoch erwartete, schlägt meine Verzweiflungsaktionen beim Erwerb eines Handy-Telefon-Wlan-Flatrate-Vertrages um ein Vielfaches. Zunächst bemühte ich mich bei Saturn einen zweiten USB-Stick für weitere Back-up`s zu erwerben. Bei meiner Nachfrage, ob dieser auch mit den meisten Rechnern kompatibel sei, brüllte der Verkäufer aufgebracht: „Was zum Teufel die Leute denn immer mit ihren Rechnern anstellen würden? Alle USB-Sticks würden überall funktionieren!“ Ich entgegnete ihm kleinlaut, dass dem keinesfalls so sei und insofern entstehe für den Endkunden die Frage, ob er/sie den Stick zurückgeben könne? Der Verkäufer erklärte mir: „Nur wenn der Stick kaputt sei!“ Ich wollte ihn nicht darauf hinweisen, dass, wenn er an meinen Rechnern zu Hause nur nicht funktioniere, er in meinen Augen quasi auch kaputt sei, denn ich könne ihn ja dann nicht benutzen – zu viele Konjunktive und Denkschleifen drin – ich kaufte den Stick in der Hoffnung – egal… er funktionierte – Glück gehabt!

Am Laptopstand stürzte sich in Sekunden ein junger Mann auf mich. „Was ich denn suche?“ Ich zählte meine wohlüberlegten Kriterien auf, in der Hoffnung nix vergessen zu haben. Tatsächlich standen wir binnen Sekunden vor einem 17-Zoll-Gerät. Unhandlich, groß, hässlich. Das hatte ich also vergessen! Ich grenzte meine Suche erneut ein, diesmal haute es mit der Tatstatur nicht hin. Der Verkäufer wirkte langsam genervt, da erspähte ich ein recht annehmbares Gerät und ging in die vollen mit meinen Fragen: Wie es mit Back-up für das Betriebssystem sei, Akkulaufzeit usw. Das wisse er alles nicht, denn er würde ja einen neuen Stick verkaufen! Oh mein Gott, ich musste ihm also sagen, dass ich wegen eines Notebooks hier sei und keinesfalls wegen eines neuen Sticks und verlies den Laden Richtung Media Markt, auch in dem Wissen, dass beide Läden ein und denselben Konzern gehören…
Mein erstes Testgespräch lehrte mich, an die wirklich wichtigen Punkte noch einmal konzentriert und meditativ zu denken. Ohm und ich war am medialen Laoptopstand. Wieder: ich bin auf der Suche nach…, da mein alter Rechner langsam…, wichtig für mich Backup des Betriebssystems, da ja immer mal was passieren könne… Der Verkäufer riss mit jedem meiner Worte die Augen weiter auf und begann Turretsyndromartig mit dem Kopf zu zucken. Ich kannte die Strategie aus Ally McBeal und blieb (zunächst) cool. „Also, wieso ich denn noch das Betriebssystem brauche?“ Wegen der Viren entgegnete ich (bei manchen Angriffen, wäre es besser das System neu aufzusetzen)… Wie nicht anders zu erwarten war, erklärte mir der Verkäufer eindringlich, die, die so was behaupten würden (also viele wichtige Anti-Viren-Helfer im Web), hätten überhaupt keine Ahnung… Ob ich denn keinen Vollschutz gehabt habe? Ich erklärte ahnungslos: meine Garantie betrug 24 Monate. Nein, Vollschutz ist quasi eine (Lebens-)Versicherung… Für 180 Euro Teil- und für 250 Euro die Vollkasko, also auch bei Kaffeeschäden (scheinbar hat ein Marktforschungsinstitut für die Marketing-Abteilung von Media Markt folgende telefonische Umfrage durchgeführt: „Haben sie Ihren Rechner mal beschädigt, bspw. durch Kaffee? Ja, Kaffee, vor 10 Jahren, seitdem…“ – doch die weitere Antwort interessiert schon nicht mehr…) Ich fragte, ob das auch bei viralen Angriffen gelte? Nein natürlich nicht, das wäre ja ein Soft- und kein Hardwareproblem. Ich versuchte noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich ZUNÄCHST einen Laptop suche, mit den folgenden Kriterien… Der Kollege zeigte mir sofort ein passables Gerät – jedoch mit zwei Preisen: 599 und 999 Euro. „Warum das?“ Ja, wegen des UMTS-Sticks, den bekomme ich quasi geschenkt, denn die 400 Euro zahle ich bei 24 Monaten Laufzeit dann monatlich an die Telekom: also 40 Euro (macht bei 24 Monaten = 960 Euro und nicht wie der Kollege erklärte 400 Euro – aber egal). Ich sah mich mit meinem Laptop schon auf den Seychellen – außerhalb meines Wlan-Bereichs – sitzen… Und erklärte, dass ich aber schon ein Wlan-Netz at home besitze und daran kein Interesse habe. Außerdem fragte ich: (nachdem ich bei meinem letzten Handyvertrag etwa 60-mal erklären musste, dass ich weder Jamba will noch nutze!!!) wer das denn überhaupt will? Ich hätte es wissen müssen, ich wäre bisher die Einzige, die das nicht wollen würde – logisch!!!
Doch das Ende war noch lange nicht erreicht, denn der Laptop hatte nur 2 USB-Anschlüsse, dafür unzählige andere Anschlüsse (die ich nun mal derzeit nicht so brauche). Nachdem die alle aufgezählt wurden, fragte er mich, wozu ich eigentlich so viele USB-Anschlüsse bräuchte? „Maus, Drucker, vielleicht mal einen Stick oder eine Webcam = 3?“ Aha, für 40 Euro könnte ich folgenden Port umrüsten. Ich hatte das Gerät noch nicht mal gekauft, da sollte ich schon umrüsten. Ich fragte nach einer Kopie der Infos für den Laptop. „Klar doch, in der Zwischenzeit berät sie mein Kollege für die Vollversicherung.“ Ja aber klar doch, die ist ja das aller wichtigste! Wieder der Kaffee auf meinem Rechner, auch egal ob ich meist Tee trinke (und obwohl der ausgewählte Laptop, der erste sei [laut Pressemitteilung], wo Kaffee kein Problem sei – zur Erinnerung, ich wollte auch keine Kaffeemaschine erwerben)… Die Kopie kam endlich und ich hätte fiktiv also 999 Euro (da ich zu blöde war, die geniale „UMTS-Falle“ nicht zu erwerben) + 40 Euro + 250 Euro Vollversicherung + 25 Euro für ein Virenprogramm (erwähnte ich, dass bei dem Wort Wlan der Verkäufer einen asthmatischen Anfall simulierte, denn nur Wlan sei natürlich für meine derzeitige virale Belastung verantwortlich… Auch egal, dass ich 3 Jahre lang keinerlei Probleme hatte!)!!! Zusammen also satte 1314 Euro, wovon 314 Euro niemals auf meinem Zettel gestanden haben und wirklich kein Mensch diesen ganzen Mist braucht! Ich rechne noch mal zu Hause alles mit „UMTS-Falle“ durch: 599 + 960 + 40 + 250 + 25 = 1874 Euro. Also trotz des höheren Rechner-Preises hätte ich weniger Geld ausgegeben, wenn ich meine Variante umgesetzt hätte. Habe ich nicht, da mein Budget 1000 Euro nicht überschreiten sollte – schön wie dies ignoriert werden kann…
Zu Hause sitze ich nun vor meinem alten Notebook: „Schopenhauer, Schopenhauer.“ Doch Benigni hat das Wunder so auch nicht hingekriegt, also werde ich wohl weitere Händler aufsuchen… Und überall sagen müssen: „Ich will nur einen Whopper mit Käse, kein Menü, kein Getränk, keine Pommes, keinen USB-Stick, keine Vollversicherung (unabhängig ob ich Kaffee trinke oder nicht!) oder was auch immer ihr mir noch alles verkaufen wollt!!!“

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2 Antworten zu „Ein Notebook für (Nicht-)Kaffeetrinker?“

  1. Oliver sagt:

    Ein faszinierendes Erlebnisprotokoll! Es ist natürlich tollkühn, sich von einem Mitarbeiter der genannten Geschäfte beraten lassen zu wollen. Diese benötigen vielmehr selbst Beratung. Denn hätten sie die nötige Kompetenz, würde sie wohl kaum diesen öden Verkäuferjob machen, oder? Also kompetente Beratung vorher, dann in den Laden zum Kaufen und hinterher den Whopper zur Selbst-Belohnung. Oder vielleicht sogar einen Milchshake. Oder doch eins von diesen neuen Superspar-Menues von Burger King…

  2. mediacultblog sagt:

    Transparenz ist das wichtigste im Verkauf (das lehrte zuletzt die Banken- und Finanzkrise). Doch leider sehen das die Marketingabteilungen der großen Firmen ganz anders. Eigentlich wollte ich nur mal schauen und bin in einen Strudel wahnwitzigen Verkaufes geraten, wo dir alles Zeug angeboten (oder besser aufgedrängt) wird, unabhängig davon ob du es brauchst oder nicht. Es ist entsetzlich, wie dabei nur mit dem Motiv der „Angst“ im Verkauf gearbeitet wird. Jahrelange Erfahrungen, die du als Nutzer/in gemacht hast, werden in Verruf gebracht. Gleichzeitig führen Sie sich selbst ad absurdum durch den Verkauf einer Versicherung für den Kaffeeunfall deines Notebooks – für einen Laptop, welcher Kaffee explizit abhalten soll…

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