Populärkultur als Bedeutungskomplex

By mediadefaultswap

Immer wenn wir in einem medienwissenschaftlichen Kontext über popkulturelle Bedeutungen einer Figur nachdenken, dann wissen wir, dass eine Legende, wie es Michael Jackson zweifelsohne schon zu Lebzeiten war, immer eine Vielzahl an Bedeutungsmustern bei den Rezipient/innen, sowohl mit seiner Musik, als auch in der Deutung seines sicherlich ungewöhnlichen Lebens, anbietet. Während wir in den letzten Tagen erleben mussten, wie die offenen Texte seines recht kurzen Lebens, nach befriedigenden Antworten von Seiten der Medien suchten, zeigt sich darin einerseits deren relativ linear fokussierte Sicht, die aber nichts anderes ist, als der Versuch, deren und möglicherweise auch unsere Fragen zu begrenzen, um damit für uns aber gleichzeitig neue rezeptive Möglichkeiten der Denkvarianten zu eröffnen und zu liefern – quasi ein Kreislauf, der davon bestimmt scheint Antworten zu finden. Insofern werden wir, wie bei allen Legenden, mit unseren Fragen zurückbleiben, selbst wenn es uns gelingen mag, fragmentarische Lösungen zu finden.

Das ist und bleibt das absolut faszinierende an der Beschäftigung mit Populärkultur. Denn gleichzeitig können wir die Fragmente neu zusammensetzen, neu bestimmen und ihren Einfluss in einen diskursiven Gesellschaftsmoment überführen. Michael Jackson, der Video- und Verwandlungskünstler hat nicht nur musikalisch geschafft zu überzeugen. Seine Geschichte war von einer so gewaltvollen Zeit bestimmt, die ihren Ausdruck in einer Vielzahl von sagen wir mal recht marottigen Momenten fand. Zentral – vielleicht? – auf jeden Fall aber reich an Bedeutungen (für ihn, wie für die Rezipient/innen), sein mögliches Peter Pan „Syndrom“. Der Mikrokosmos des ewigen Kindes, welches nie eines sein durfte und nie (wieder) eines werden konnte. Eine Tragik mit weitreichenden Folgen. Und doch eröffnete sie in der Rezeption des „King of Pop“, viele gemeinhin linear zu verstehende Diskurse, als wesentlich komplexere Texte, als sie grundsätzlich (medial) gedeutet werden. So zeigte Kathy Davis in ihrem großartigen Artikel „Surgical passing“, das bspw. Schönheitsoperationen nicht automatisch zu Schönheit führen müssen und damit auch nicht unbedingt als (einzige) Motivation herhalten können. Möglich ist auch die Abkehr von einer eindeutigen Geschlechtlichkeit, die Verwandlung in eine kindhafte Gestalt, die Abkehr vom Aussehen der Eltern, die Verwandlung in eine zombiehafte Gestalt oder die Sehnsucht nach einer anderen Pigmentierung aufgrund gesellschaftlicher Zwänge und/oder Ächtung. All diese Möglichkeiten bieten sich in der Deutung an und je nachdem, welche für uns wichtig zu sein scheint, diese können wir, wenn wir wollen, verstehen, auch völlig unabhängig davon, ob wir die dahinter liegende Geschichte kennen oder nicht. Eines gemein haben diese Motive jedoch, sie zeigen den immensen Druck den Menschen ausgesetzt sein können. Und so schließt sich der Kreis der Bedeutungsmuster insofern wieder, als dass eine Legende es eben „nur“ schafft, für den gewollten, gewünschten und noch im normalen Bereich befindlichen Diskurs – also bspw. für die „Schönheit“ (wie diese dann auch immer definiert sein mag) – eine Lanze zu brechen…
Oder haben wir doch alle schon unser eigenes Sauerstoffzelt im eingebauten und nun umfunktionierten Panic-Room im Keller?

Schlagworte: , , , ,

Eine Antwort schreiben